Almodovar stellt erneut die Frage, wo sind die Grenzen zwischen Romantik und Wahnsinn, zwischen Obsession und Liebe.

Indem er das Publikum abwechselnd glauben lässt, ein Charakter sei romantisch und verliebt, bis dieser zu weit geht und eine Grenze überschreitet, die gesellschaftlich nicht toleriert wird um im Endeffekt nur wieder auf das Motiv der Liebe, der Bessesenheit, der Sehnusucht und der Einsamkeit zurückzukehren.
Wie immer wühlt er das Thema geschickt auf, schmeißt die Zuschauer ins kalte Wasser und beginnt mitten in der Geschichte, um dann zwischen Vergangenheit und Gegenwart einen geschickt verschachtelten Plot aufzudecken.
Neben seinen kennzeichnenden Themen wie Liebe, Leidenschaft, Homosexualität und Sehnsucht, spielt Almodovar in diesem Werk vor allem auf die Pflegedebatte von Koma-Patienten an, was ihm aber in vordergründig eher als Mittel zum Zweck dient.
Die Thematik wird durch Zwischenspiele, Lieder, ästhetischen Momenten, Ballettänzen, musikalischen Einschüben und komischen Momenten aufgelockert.
Besonders erwähnenswert ist dabei jener Stummfilm, den Benigno Alicia im Koma beschreibt und der visuell sichtbar wird. Diese Geschichte in der Haupthandlung wird begleitet mit der typischen Stummfilmmusik, das Bild ist im 4:3 Format und Schwarz-Weiß.
Auch stellt sie einen Schlüsselmoment dar, da dieser Film Benigno vermutlich dazu veranlasst hat mit der im Koma liegenden Alicia zu schlafen.
Diese Verspieltheiten und Vorlieben des Regisseurs hin und wieder eine mehr oder weniger liebevoll-verrückte Figur auftreten zu lassen (Moderatorin der Talkshow, Vermieterin von Benigno) oder außernatürliche Situationskomik zu schaffen (als Marco mit der hinter einer Glaswand sitzenden Gefängniswärterin spricht und es immer wieder zu Kommunikationsschwierigkeiten oder Unverständnissen und Missverständnissen kommt.)
Dies ist im übrigen der erste Almodovar Film den ich überhaupt gesehen habe. Damals auf Arte. Allerdings nur zum Teil. Ich switchte durch die Kanäle und entdeckte diese ästhetische Stummfilmszene, die mich sofort anzog.
Damals verstand ich noch kaum was vom europäischen Film und war nur an die amerikanischen Filme gewohnt.
Dennoch war ich von dieser ästhetischen und klaren Formsprache der Filmkunst Almodovars fasziniert und ich bin es bis heute geblieben.



